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Predigt 50 von John Wesley: Der rechte Gebrauch des Geldes

Du magst denken, es sei nicht wert, dieses 4-seitigen Artikel zu lesen - ACHTUNG: Wenn Du diese 3 Regeln wirklich kapierst, kann es nicht anders, als Dich durchschütteln. Wag es und stell Dich dem Thema, das vor 200 Jahren bereits vorgelebt wurde.

John Wesley (1703 - 1791)

"Ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wenn es damit zu Ende ist, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Lukas 16,9

Nachdem unser Herr das schöne Gleichnis vom verlorenen Sohn beendet hatte, die besonders an die gerichtet war, die darüber murrten, dass er Zöllner und Sünder annahm, fügte Er noch eine andere Erzählung hinzu, und diese war eher an die Kinder Gottes gerichtet. "Er sprach aber auch zu seinen Jüngern" — nicht so sehr zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, zu denen er zuvor geredet hatte — "Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm beschuldigt, er vergeude ihm seine Güter. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten! denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein."

Nachdem Jesus geschildert hatte, was der schlechte Verwalter tat, um für die Zeit der Not Vorsorge zu treffen, fügt unser Heiland hinzu: "Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter",  — weil er nämlich rechtzeitig vorgesorgt hatte — und setzt noch die beherzigenswerten Worte hinzu: "Die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichtes." Die, welche nichts anderes suchen als diese Welt, "sind klüger" (nicht schlechthin; denn sie sind samt und sonders die allergrößten Toren, die unsinnigsten Narren unter dem Himmel, sondern) "untereinander", d.h. auf ihre Weise: Sie handeln folgerichtiger, sie sind ihren anerkannten Grundsätzen getreuer, sie verfolgen ihr Ziel beharrlicher, "als die Kinder des Lichtes", als die, welche "die Herrlichkeit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi" sehen.

Hierauf folgen die oben angeführten Worte: "Und ich" — der eingeborene Sohn Gottes, der Schöpfer, Herr und Besitzer des Himmels und der Erde und all dessen, was darinnen ist, der Richter über alle, dem ihr "Rechnung über eure Haushalten tun müsst," wenn ihr "nicht mehr Haushalter sein könnt""ich sage euch" (lernet in dieser Hinsicht sogar von dem ungetreuen Verwalter), "machet euch Freunde" durch kluge, zeitige Vorsorge "mit dem ungerechten Mammon". "Mammon" bedeutet Reichtum oder Geld. Er wird der "ungerechte Mammon" genannt, weil er häufig auf ungerechte Art und Weise erworben wird, und selbst da, wo er ehrlich erworben wurde, wird der Begriff allgemein verwendet. "Machet euch Freunde" damit, indem ihr alles mögliche Gute tut, besonders an den Kindern Gottes. "Auf dass, wenn es zu Ende geht" und ihr wieder zu Staub werdet, wenn ihr unter der Sonne keinen Platz mehr habt, diejenigen von ihnen, welche vorausgegangen sind, "euch aufnehmen" und euch willkommnen heißen "in den ewigen Hütten".

Ein großartiges Beispiel christlicher Weisheit schärft hier unser Herrn all seinen Nachfolgern ein, nämlich den richtigen Gebrauch des Geldes — ein Thema, über das die Weltmenschen in ihrer Weise viel reden, das aber von denen nicht hinreichend beachtet wird, die Gott von der Welt erwählt hat. Sie schenken gewöhnlich dem Gebrauch dieser vortrefflichen "Gabe" nicht die Beachtung, die ihr aufgrund ihrer Bedeutung gebührt. Auch verstehen sie es nicht, das Geld auf die bestmögliche Weise zu verwenden. Die Einführung des Geldes in die Welt ist ein bewunderungswerter Beweis der weisen und gnädigen Vorsehung Gottes. Zwar haben Dichter, Redner und Philosophen fast zu allen Zeiten und unter allen Völkern sehr oft diese Gabe geschmäht, als die große Verführerin der Welt, als das Verderben der Tugend und die Pest der menschlichen Gesellschaft.

Daher hört man nichts so häufig als: Ferrum, ferroque nocentius aurum — 'Und Gold, schädlicher als härtester Stahl.' Daher die wehmütige Klage: Effodiuntur opes, irritamenta malorum. (Schätze werden ausgegraben — Anreizungen zu allem Bösen.) Ja, ein berühmter Schriftsteller ermahnt seine Landsleute mit großem Ernst 'all ihr Geld ins Meer zu werfen', um alle Laster auf einmal auszurotten: ...in mare proximum..., Summi materiem mali! (Ins nächste Meer..., die Ursache des höchsten Übels!)

Ist aber dies alles nicht bloß leeres Geschwätz? Ja, freilich. Gibt es etwa dafür eine zwingende Begründung? Keineswegs! Denn mag die Welt auch noch so verdorben sein, darf man dem Gold oder Silber die Schuld zuschieben? Wir wissen, dass die "Liebe zum Geld" die "Wurzel allen Übels ist", nicht aber das Geld selbst. Nicht dieses trifft die Schuld, sondern die, die es verwenden. Man kann damit Missbrauch treiben, aber womit könnte man das nicht? Aber man kann es auch richtig gebrauchen. Man kann es zu den allerbesten wie zu den allerschlechtesten Zwecken einsetzen. Es ist von unaussprechlichem Nutzen für alle Kulturvölker in allen Angelegenheiten des Lebens, es ist ein äußerst bequemes Mittel, aller möglichen Geschäfte abzuwickeln und (wenn wir es in christlicher Weisheit gebrauchen) viel Gutes zu tun. Es ist wahr, wäre der Mensch im Zustande der Unschuld, oder wären alle Menschen "voll des heiligen Geistes", so dass, wie in der ersten Gemeinde von Jerusalem, "auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären", sondern "ein jeglicher erhielt, je nachdem er in Not war", so wäre der Gebrauch des Geldes überholt. Wir können uns auch nicht vorstellen, dass es etwas derartiges bei den Bewohnern des Himmels gibt. Aber bei dem jetzigen Zustand des Menschen ist es eine vortreffliche Gabe Gottes, die edelsten Zwecken dient. In den Händen seiner Kinder ist es Speise für die Hungrigen, Trank für die Durstigen, Kleidung für die Nackten. Es schafft dem Reisenden und Fremden einen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Mit Geld können wir der Witwe die Stelle eines Gatten und den Waisen die eines Vaters ausfüllen. Wir können dem Unterdrückten Schutz, dem Kranken Heilmittel, dem Leidenden Erquickung schaffen; Geld kann für den Blinden wie Augenlicht sein, für den Lahmen wie gesunde Füße, ja sogar wie ein Retter vor den Toren des Todes.

Es ist deshalb von der höchsten Wichtigkeit, dass alle, welche Gott fürchten, diese wertvolle Gabe richtig zu verwenden wissen; dass man sie lehrt, wie sie diesen herrlichen Zwecken, und zwar auf die beste Weise dienen kann. Vielleicht lassen sich alle Belehrungen, welche hierzu nötig sind, in drei einfache Regeln zusammenfassen, durch deren gewissenhafte Beobachtung wir uns beweisen können als verantwortliche Verwalter des "ungerechten Mammons".  

3 Regeln zum rechten Gebrauch von Geld

Regel 1: Erwirb, soviel du immer kannst.

Regel 2: Spar (ein), soviel du kannst.

Regel 3: Gib alles, was du kannst.