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Viele Schweizer bleiben trotz Arbeit arm

Quelle: SF Tagesschau, 28.10.2008

Laut OECD-Studie Spitzenrang für die Schweiz

Im Vergleich mit den OECD-Ländern nimmt die Schweiz beim Anteil armer Haushalte, in denen zwei Menschen erwerbstätig sind, einen Spitzenrang ein. Die Haushaltseinkommen sind hingegen laut der Studie deutlich gleichmässiger verteilt.

In fast allen OECD-Ländern hat die Einkommensungleichheit zwischen 1985 und 2005 zugenommen. Ausnahme sind Frankreich, Spanien, Irland, Griechenland und die Türkei, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bekannt gab. Insgesamt sind die Haushaltseinkommen in der Schweiz deutlich gleichmässiger verteilt als im Schnitt und die
Einkommensspreizung ist um etwa einen Viertel geringer. Die Schweiz liegt im Vergleich auf dem zehnten Platz; Dänemark weist die geringste Einkommensungleichheit auf und Mexiko die höchste.

Arme Haushalte trotz doppelter Erwerbstätigkeit 

Relativ weit verbreitet sei in der Schweiz aber die Armut trotz Arbeit. So ist in 80 Prozent der Haushalte, die nur über weniger als die Hälfte des Medianeinkommens verfügen, mindestens eine Person erwerbstätig. (Anmerkung der Red.: Bei Statistiken wird häufig der Median geschätzt, da nicht alle Daten explizit und exakt gegeben sind. So wird beispielsweise bei Umfragen selten nach dem exakten Gehalt gefragt, sondern nur nach der Einkommensklasse.) Im OECD-Mittel gelten nur etwas mehr als 60 Prozent der Haushalte als Working Poor. Gar den Spitzenrang nimmt die Schweiz beim Anteil armer Haushalte ein, in denen zwei Menschen erwerbstätig sind. Wesentlich grösser als im OECD-Schnitt ist mit 18 Prozent auch der Anteil der armen Rentner in der Schweiz. Dieser beträgt im Durchschnitt der 30 OECD-Länder 13 Prozent.

Kinder als Armutsrisiko

Wie in den meisten anderen OECD-Ländern ist in der Schweiz in Haushalten mit Kindern und besonders bei Alleinerziehenden das Armutsrisiko grösser als in kinderlosen Haushalten. Allerdings ist die Armutsquote bei Kindern mit neun Prozent deutlich geringer als im OECD-Schnitt. Eine geringere Kinderarmut weisen nur die nordischen Länder und Österreich auf. «Eine höhere Einkommensungleichheit behindert die Aufstiegschancen über die Generationen hinweg», wird OECD Generalsekretär Angel Gurria in der Mitteilung zur Studie «Mehr Ungleichheit trotz Wachstum?» zitiert. Sie mache es für talentierte und hart arbeitende Menschen schwerer den Lohn zu erhalten, den sie verdienen. Diese mangelnde soziale Mobilität beeinträchtige die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit insgesamt.

(ap/godc)

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