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Johannes Calvin - Predigt zu Galater 6, 7-10 - gehalten im Jahr 1558

,,Was der Mensch sät, das wird er ernten!“

Warum denn befassen sich die Menschen mit dem oder jenem, warum arbeiten sie und strengen sich an? Um eines Ziels und Zweckes willen, die sie sich setzen. Weil sie einen Ertrag zu ihrem Vorteil haben wollen, darum werden sie des Arbeitens nicht müde.

Wenn einer viel gewinnen will, so leidet er gerne Hunger und Durst, Kälte und Hitze. Warum? Die Habsucht reisst ihn mit sieh fort. Nun aber sagt Paulus: Wie wir säen, werden wir ernten. Die sich also der (vergängli­chen) Welt so ganz hingeben, werden Verderben ernten... So wollen wir denn lernen, in erster Linie darnach trachten, dass Gott herrsche, regiere und wir ganz ihm und seiner Gerechtigkeit uns anpassen, damit nicht die Sorge ums vergängliche Leben uns betäube... Gott hat uns in die Welt gestellt zum Säen. d.h. wir sollen nicht nutzlos und faul sein. Die Diener am Wort sollen säen, damit sie eine Ernte einsammeln können, die sie Gott darbringen können als heilige Opfer­gabe.

Ihre Saat ist, treu zu lehren, damit das Wort Gottes Frucht bringe, verherrlicht und geprie­sen werde, wie ja auch unser Herr Jesus Christus sagte: Ich habe euch erwählt, damit ihr hingeht und bleibende Frucht bringt.  Aber wir alle sollen auf das ewige Leben (auf den Geist) säen…  

Wie nun sät man auf den Geist?

Lasst uns erkennen, dass wir keine Esel und Ochsen sind, die arbeiten und dann Essen und Trinken und ihre Pflege bekommen, wie sich‘s gehört und recht ist; vielmehr sollten wir wissen, dass wir von Gott zu Kindern angenommen sind und zum himmli­schen Leben gelangen sollen.

So lasst uns denn auf den Geist säen und alles, was uns hemmt, ausscheiden und wegwerfen wie ein schädliches Ding. Wir sollten wissen, dass alle, die sich in dieser Welt anstrengen, um zu Geltung zu kommen, sich täuschen. Wenn Paulus sagt, dass die, die auf den Geist säen, in Gott das ewige Leben ernten werden, so meint er nicht, dass wir etwas so Wertvolles und Grossartiges wie das Erbe der Himmel verdienen könnten. Er will damit zei­gen, dass die Gläubigen, die ihre Berufung erkannt haben, sich nie betrogen sehen werden.

Wir wissen doch, dass Gott uns aus lauter Güte annimmt: Das ist das Fundament unseres Heils. Er verzeiht unsere Sünden, das ist unsere ganze Gerechtigkeit. Wenn er uns nämlich nach unserer Wesensart betrachtet, so kann er uns nur verdammen. ,. Wir könnten also keine Gnade vor ihm finden, ausser wenn er uns in reiner Güte annimmt... Wir wissen, wie wir oft, wenn wir ihm die­nen und wohl tun wollen, das gerade Gegenteil machen, sodass wir ihm immer schuldig bleiben. Und dennoch: Wenn Gott uns zu seinen Kindern angenommen, all unsere Fehler begraben und uns erklärt hat, unser Dienst sei ihm angenehm, wenn er auch unvollkommen ist, dann verkündet er noch das Höchste hinzu, dass wir nicht bewogen sein werden...

Freilich wird man uns ausla­chen: Was mühen sich doch diese Kindsköpfe ab! Und für was denn? Für das Leben des Him­mels. Und wer hat ihnen Bericht von dort gebracht? Irgendein frommer Zauber hat die Leute ge­trogen, dabei sind‘s arme Kerle ohne Geist und Güter. Wir sehen ja, wie heutzutage die, die die Macht und das Ansehen haben, uns schmähen: Oh, diese Einfaltspinsel, was wollen sie denn?..

Wiewohl wir so verlacht werden, wollen wir an der gegebenen Verheissung festhalten, dass wir, wenn wir einfältig unserer Berufung folgen, merken werden, dass Gott, wo er angefangen hat auch treu bleibt. Er bleibt unser Herr … und sucht überall unser Bestes ... und er wird sich in sei­ner unendlichen Güte als ein Vater und Heiland gegen uns erzeigen... Wenn wir es so machen, so wird uns unser Herr sicher sehen lassen, dass eine Ernte für uns bereit liegt, nicht an weltli­chem Reichtum, der doch bloss vergeht...

Wenn die Menschen sich übermässig mit zusammen­gerafften Gütern den Magen überladen, so wird es ihnen nichts nützen, ja es wird sie geradewegs ins Verderben stürzen. …Denn wenn Gott einem jeden von uns eine Fähigkeit und eine Gabe ausgeteilt hat, so verpflichtet er jeden denen gegenüber, die ihn brauchen oder denen er helfen kann. Wir müssen uns klar sein, dass keiner faul und nutzlos sein darf, sondern wir sollen die Mittel ansehen, die uns gegeben sind, und dann jeder Gott eine Opfergabe geben.

Und um uns mehr Mut zu machen, sagt Paulus, mit solchem Tun würden wir säen. Und Gott wird nicht zulassen, dass wir betrogen werden, wenn wir versuchen, uns da voll ins Zeug zu legen, wo er uns durch seinen Befehl hingestellt hat. Uns freilich scheint alles verloren zu sein, wenn nicht ein jeder hinter sei­nem Profit her ist und ganz für sich selber lebt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir dürfen Frucht ernten zu seiner Zeit.

Zugrunde geht vielmehr alles dann, wenn wir bloss Augen dafür haben, wie wir uns selber bereichern können; wenn wir für nichts acht haben oder Sorge tragen, als für unseren Profit, dann werden wir Verderben ernten. So wird alles vergehen, wie diese Welt ja ver­gehen und sich auflösen wird. Das (also die Auflösung) ist der ganze Schatz, den sich die Leute sammeln, die nur ihren Vorteil in dieser Welt erjagen wollen. Denn so, wie ihr Leben vergänglich und hinfällig ist, so sind es auch alle Güter, die sie sich aufgestapelt haben. Alles wird zu Staub werden…. Wenn wir aber Gott gehorchen und dienen, dann wird der Schatz, den wir gewinnen, nie vergehen und wird in Gottes Hand wohl verwahrt bleiben bis zum jüngsten Tag.

Wir sollen mit Wohl tun fortfahren, ohne müde zu werden. Denn wenn wir etwas Gutes haben, so haben wir es dazu um unseren Nächsten in der Not zu helfen… Gott hat uns in die Welt gesetzt mit dem Zweck und Zie,l dass ein jeder zusehe, worin er denen, die ihn brauchen, helfen könne. Dazu sol­len wir unser Leben hergeben...

Und weil wir so träg und kalt sind, und weil wirklich viele Gelegenheiten sich finden, die uns hemmen und den Eifer in der Erfüllung unserer Pflichten brechen könnten, so wollen wir diese Schwierigkeiten überwinden, Mut fassen und nicht nachlassen... Wir müssen diese Versuchungen überwinden und nur auf Gott sehen... Denn wie schlecht die Welt auch sei, Gott bleibt ewig un­veränderlich bei seinem Wort dass nämlich jeder nach Kräften die Äugen aufmachen und die Mittel erwägen soll, die ihm gegeben sind, dass wir nicht für uns selber da sind, sondern dass ein jeder sich an treibe, ja zwinge, denen zu helfen, die Hilfe von ihm verlangen.

Wenn einer Geld leihen oder in den Handel stecken soll, da schaut man zwei- und dreimal zu, ob es auch sicher sei, aber wenn man dann schliesslich einen reichen, zahlungsfähigen, angesehe­nen Menschen findet, da schliesst man daraus, dass man sich wohl auf ihn verlassen kann.

Gott hat jedoch nicht so viel Kredit dass man sich bei seinem Wort beruhigte, und wenn er noch so laut versichert was wir ihm in Verwahrung gegeben haben, werde wieder an uns zurückkommen und zwar mit einem viel grösseren Nutzen als ihn irgend etwas in dieser Welt abwerfen könnte. Doch wir sind taub dafür.

Damit wir uns nicht durch die Undankbarkeit der Menschen abbringen lassen, sagt unser Herr: Was ihr dem Geringsten und Verachtetsten getan habt, das nehme ich und anerkenne es als mir getan, kurz, ich nehme es selbst in Empfang. So spricht Gott vom Nutzen...

Und nun dreht es sich um die Arbeit, zu der Gott uns ruft, um das Säen auf den Geist und das unvergängliche Leben - und da sagen wir, es eile nicht und wir wollten noch ein Jahr, zwei oder drei Jahre zuwarten, d.h. ewig zuwarten, so kalt und gleichgültig sind wir.

Es ist ja doch eine besondere Gnade Gottes, wenn er uns etwas zum Helfen für unsere Nächsten in die Hand gibt Damit gibt er uns schon ein gewisses Merkzeichen dessen, dass er uns als seine Kinder an­nimmt. Wenn wir dann etwas von dem uns Gegebenen denen geben, die es brauchen, dann ist etwas von seinem Bild in uns.

(aus ,,Johannes Calvin, Diener am Worte Gottes“ - eine Auswahl aus seinen Predigten Göttingen, 1934)