Regel 3: Gib alles, was du kannst.
Niemand aber bilde sich ein, dass er etwas getan hat, wenn er bloß so weit geht, dass er "erwirbt und spart, so viel er kann, aber dabei stehen bleibt. All dies bedeutet noch nichts, wenn ein Mann nicht weiter geht und alles auf einen höheren Zweck richtet. Auch kann man tatsächlich nicht von jemand sagen, er spare etwas, wenn er es nur aufhäuft. Du kannst genau so gut dein Geld ins Meer werfen wie in der Erde vergraben. Und du magst es ebenso gut in die Erde vergraben wie in deine Schatzkiste oder in die Bank von England. Nicht gebrauchen heißt so viel wie verschleudern. Wenn du wirklich "Freunde mit dem ungerechten Mammon machen" willst, so füge die dritte Regel zu den beiden ersten hinzu. Hast du erstens alles erworben und zweitens alles gespart, was du konntest, dann — drittens — "gib alles, was du kannst".
Um den Grund und die Ursache hiervon einzusehen, bedenke: als der Eigentümer des Himmels und der Erde dich ins Dasein rief, setzte er dich in diese Welt nicht als Eigentümer, sondern als Verwalter. Als solchem vertraute er dir für eine Zeitlang Güter verschiedener Art an; aber das alleinige Eigentumsrecht an ihnen bleibt bei Ihm und kann nie von Ihm auf jemand anderes übergehen. Wie du selbst nicht dein eigen bist, sondern Sein, so ist genauso alles Gottes Eigentum, was du besitzest. Sein ist deine Seele und dein Leib, nicht dir selbst, so auch dein Vermögen. Und Er hat dir gesagt, höchst klar und bestimmt, wie du es für Ihn verwenden sollst, damit es ein heiliges, durch Jesus Christus wohlgefälliges Opfer sei. Und Er hat versprochen, diesen leichten, geringfügigen Dienst mit einer ewigen, wichtigen Herrlichkeit zu belohnen.
Die Anweisungen, die Gott uns in Bezug auf den Gebrauch unseres weltlichen Vermögens erteilt hat, mögen in folgenden Punkten zusammengefasst werden. Wenn du ein treuer und kluger Verwalter sein willst, so versieh dich aus dem Teil der Güter deines Herrn, die Er für die Gegenwart in deine Hand gelegt hat (aber mit dem Recht der Rücknahme, wann es Ihm gefällt), erstens mit Dingen, die du selbst brauchst: Nahrung zu essen, Kleidung anzuziehen, was immer die Natur vernünftigerweise erfordert, um den Körper gesund und kräftig zu halten. Zweitens versieh damit deine Gattin, deine Kinder, deine Dienstboten oder andere, die zu deinem Haushalt gehören. Ist, wenn dies geschehen ist, noch ein Überschuss vorhanden, so "tue Gutes an den Genossen des Glaubens". Bleibt dann immer noch ein Überschuss, "so tut Gutes an jedermann, solange wir also noch Zeit haben". Wenn du so handelst, gibst du alles, was du kannst, ja, im wahren Sinne, alles, was du hast; denn alles, was auf diese Weise verausgabt wird, ist wirklich Gott gegeben. Du "gibst Gott, was Gottes ist", nicht allein durch das, was du den Armen gibst, sondern auch das, was du ausgibst, um notwendige Dinge und deinen Haushalt zu besorgen.
Sollte dir alsdann zu irgendeiner Zeit ein Zweifel kommen über dem, was du — sei es — für dich oder für einen Teil deiner Familie aufwenden willst, so hast du einen leichten Weg, diesen zu beseitigen. Frage dich in aller Ruhe und mit allem Ernst: "1. Handle ich bei dieser Ausgabe meinem Charakter gemäß? Handle ich hierin nicht als Eigentümer, sondern als Verwalter der Güter meines Herrn? 2. Tue ich dies im Gehorsam gegen sein Wort? In welcher Schriftstelle fordert Er von mir, dass ich dies so mache? 3. Kann ich diese Handlung, diese Ausgabe Gott als ein Opfer durch Jesus Christus darbringen? 4. Habe ich Grund zu glauben, dass ich für dieses bestimmte Werk in der Auferstehung der Gerechten Lohn empfangen werde?" Du wirst selten mehr nötig haben, um irgendeinen Zweifel zu beseitigen, der sich über den betreffenden Punkt ergeben mag. Durch diese vierfache Betrachtung wirst du klares Licht über den Weg erhalten, den du gehen sollst.
Wenn aber noch irgendein Zweifel bleibt, so magst du dich noch weiter anhand dieser Punkte der Gewissenserforschung im Gebet prüfen. Versuche, ob du zum Erforschen der Herzen, ohne daß dich dein Gewissen verdammt, sagen kannst: "Herr, Du siehst, ich will jetzt diese Summe für jenes Nahrungsmittel, Kleidungsstück, Hausrat ausgeben. Du weist, ich handle darin mit einfältigem Auge als Verwalter Deiner Güter. Ich möchte dieses Teil Deiner Güter so ausgeben, daß ich der Absicht entspreche, die Du hattest, als Du mich damit betrautest. Du weist, ich tue dies im Gehorsam gegen Dein Wort, wie Du befiehlst und weil Du befiehlst. Lass es denn, ich flehe zu Dir, ein heiliges, in Jesus Christus angenehmes Opfer sein. Und gib mir ein Zeugnis in mir, dass ich für diese Liebesarbeit eine Belohnung empfangen werde, wenn Du jedem nach seinen Werken vergiltst." Nun, wenn dein Gewissen dir im Heiligen Geist Zeugnis gibt, dass dieses Gebet Gott wohlgefällt, dann hast du keinen Grund zu zweifeln, dass jene Ausgabe recht und gut ist und dich niemals in ein schlechtes Licht rücken wird.
Du siehst nun, was es heißt, euch "Freunde mit dem ungerechten Mammon" zu machen und mit welchen Mitteln du Vorsorge treffen magst, "dass wenn ihr fallt, sie euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen werden". Du siehst das Wesen und den Umfang der wahren christlichen Klugheit, so wie sie sich auf den Gebrauch des Geldes bezieht, jener großen Gabe. Erwirb soviel du kannst, ohne dich oder deinen Nächsten an Seele oder Leib zu verletzten, indem du dich mit ununterbrochenem Fleiß und mit allem Verstand, den Gott dir gegeben hat, dieser Aufgabe widmest; — spare, so viel du kannst, indem du jede Ausgabe vermeidest, die nur dazu dient, deinen törichten Wünschen nachzugeben; entweder die Fleischeslust, der Augen Lust oder das hoffärtige Leben zu befriedigen; verschwende nichts, ob lebend oder sterbend, an Sünde oder Torheit, ob für dich selbst oder deine Kinder; — und dann gib alles, was du kannst, oder in anderen Worten, gib alles, was du hast, Gott. Beschränke dich nicht auf diesen oder jenen Teil, darin eher einem Juden ähnlich als einem Christen. Gib Gott nicht ein Zehntel, nicht ein Drittel, nicht die Hälfte, sondern alles, das Gott gehört, es sei mehr oder weniger; indem du alles für dich, deinen Haushalt, die Genossen des Glaubens und die ganze Menschheit in solcher Weise verwendest, dass du gute Rechenschaft über dein Verwalten geben kannst, "wenn ihr nicht mehr Verwalter sein könnt", so wie Gottes Wort es durch allgemeine wie besondere Vorschriften verordnet, so daß — was immer ihr tut — es "das Opfer eines süßen Duftes für Gott" sei und dass jede Tat ihren Lohn an jenem Tag finden wird, wenn der Herr mit allen seinen Heiligen kommt.
Liebe Brüder, können wir kluge oder treue Verwalter sein, wenn wir nicht so mit den Gütern unseres Herrn umgehen? Wir können es nicht, wie es uns nicht nur Gottes Wort, sondern auch unser eigenes Gewissen bezeugen. Warum sollten wir also zögern? Warum sollten wir uns noch länger mit Fleisch und Blut beraten oder mit Menschen der Welt? Unser Reich, unsere Weisheit ist nicht von dieser Welt; heidnische Sitte geht uns nichts an. Wir folgen Menschen nur so weit, als sie Nachfolger Christi sind. Höret auf Ihn! Ja, heute, so lange es heute heißt, hört und gehorcht Seiner Stimme! Zu dieser Stunde und von dieser Stunde an tut Seinen Willen! Erfüllet sein Wort hierin und in allen Dingen! Ich bitte euch im Namen des Herrn Jesus, handelt der Würde eures Berufes gemäß! Keine Trägheit mehr! Was immer deine Hand zu tun findet, das tue mit deiner Kraft! Keine Verschwendung mehr! Schluss mit jeder Ausgabe, die Mode, Laune oder Fleisch und Blut fordern! Schluss mit aller Habsucht! Verwendet vielmehr alles, was Gott euch anvertraut hat, um Gutes zu tun, alles mögliche Gute, in jeder möglichen Art und jedem möglichen Grad, den Genossen des Glaubens, allen Menschen! Dies ist kein kleiner Teil der "Klugheit der Gerechten". Gebt alles, was ihr habt, so gut wie das, was ihr seid, für Ihn als geistliches Opfer, der euch Seinen Sohn nicht vorenthalten hat, Seinen einzigen Sohn; so sammelt ihr euch einen Schatz als "guten Grund für die Zukunft, damit ihr das ewige Leben ergreifet"!
Regel 1: Erwirb, soviel du immer kannst.