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Gottes Weisheit » Wesley's Maxime » Regel 1: Erwirb, soviel du immer kannst.
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Regel 1: Erwirb, soviel du immer kannst.

Die erste Regel ist (wer Ohren hat zu hören, der höre): "Erwirb, soviel du immer kannst." Hier können wir sprechen wie die Kinder dieser Welt, wir begegnen ihnen auf ihrem eigenen Boden. Es ist unsere unerlässliche Pflicht, dieses zu tun; wir sollten erwerben, soviel wir können, vorausgesetzt, dass wir das Geld nicht zu teuer kaufen, nicht mehr dafür bezahlen, als es wert ist. Das dürfen wir gewiss nicht tun. Erstens sollen wir nicht Geld erwerben auf Kosten des Lebens, noch (was in Wirklichkeit auf dasselbe hinausläuft) auf Kosten unserer Gesundheit. Deshalb sollte kein Gewinn, von welcher Art auch immer, uns bewegen, in irgendeine Arbeitsstelle einzutreten oder darin zu bleiben, die von solcher Art ist oder mit so anstrengender oder so anhaltender Arbeit verbunden ist, dass unsere Gesundheit darunter leidet. Auch sollten wir keine Beschäftigung anfangen oder fortsetzen, die uns zwangsweise der erforderlichen Zeit zum Essen und Schlafen beraubt. Freilich gibt es hier einen großen Unterschied. Manche Beschäftigungen sind überhaupt und unter allen Umständen ungesund, namentlich solche, bei denen man viel mit Arsen oder anderen gleich schädlichen Mineralien umgehen oder eine mit Dünsten von geschmolzenem Blei geschwängerte Luft einatmen muss, was zuletzt die festeste Gesundheit zerstören muss. Andere Beschäftigungen mögen nicht überhaupt ungesund sein, sondern bloß für Personen von schwacher Körperbeschaffenheit. Dahin gehören anhaltende schriftliche Arbeiten, besonders wenn man sitzend schreibt und sich auf die Brust in der Magengegend lehnt oder lange in einer unbequemen Stellung verharrt. Aber was auch immer Vernunft oder Erfahrung als zerstörerisch für Gesundheit oder Körperkraft zeigen: Wir dürfen uns dem nicht einfach fügen. Wir wissen doch: "Das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung." Sind wir bereits in solch einer Arbeit tätig, so sollten wir sie sobald als möglich mit einer anderen vertauschen, die, wenn sie auch unseren Verdienst schmälert, doch unserer Gesundheit keinen Eintrag tut.

Wir sollen zweitens erwerben, so viel wir können, ohne dass wir unser inneres Empfinden verletzen, so wenig wie unseren Körper. Darum geht es: Wir müssen auf alle Fälle eine gesunde, ausgeglichene Gemütslage bewahren. Daher dürfen wir uns in kein sündiges Gewerbe einlassen oder es weiter betreiben, in keines, das dem Gesetze Gottes oder unseres Landes zuwider ist. Dazu gehören alle, bei denen wir zwangsläufig den König berauben oder um seinen ihm gesetzlich zustehenden Zoll betrügen. Denn es ist ebenso sündig, den König um seine Gebühren zu betrügen, als unsere Mitbürger zu berauben. Der König hat ebensoviel Recht auf seine Zölle, als wir auf unsere Häuser und Kleider haben. Andere Geschäfte gibt es, die, so unschuldig sie auch an sich sein mögen, doch jetzt nicht mit gutem Gewissen betrieben werden können, wenigstens nicht in England, z.B. solche, die keinen genügenden Lebensunterhalt gewähren, ohne dass man zu Lug und Trug Zuflucht nimmt, oder sich nach Sitten richtet, die mit einem guten Gewissen unvereinbar sind. Es ist heiligste Pflicht, diese zu vermeiden, mit welchem Gewinn sie auch verbunden sein mögen, vorausgesetzt, man unterwirft sich den Geschäftssitten; denn wir dürfen nicht, um Geld zu verdienen, "Schaden nehmen an unserer Seele". Es gibt noch andere Geschäfte, die viele mit gutem Gewissen treiben, ohne weder ihrem Leib noch ihrer Seele zu schaden; und dennoch kannst du es vielleicht nicht. Entweder verwickeln sie dich in eine Gesellschaft, welche deiner Seele zum Verderben gereichen würde, und durch wiederholte Versuche mag es zutagetreten, dass du das eine von dem andern nicht trennen kannst, oder es mag eine individuelle Veranlagung vorhanden sein, eine seltsame Eigentümlichkeit in der Beschaffenheit deiner Seele (wie sie in der Leibesbeschaffenheit vieler zu finden ist), infolge deren das Geschäft, das ein anderer ungefährdet betreiben mag, für dich verderblich ist. So bin ich nach vielen Versuchen überzeugt, dass ich es im Studium der Mathematik, der Arithmetik oder Algebra nicht zu irgendeinem Grade der Vollkommenheit bringen könnte, ohne Deist, wenn nicht gar Atheist zu werden, und doch können andere diese Fächer ihr Leben lang ohne innere Beeinträchtigung treiben. Keiner kann hier für einen anderen entscheiden, sondern ein jeder muss persönlich für sich selbst urteilen und sich all dessen enthalten, was er persönlich für seine Seele schädlich findet.

3Wir sollten drittens soviel erwerben, als wir können, ohne unserem Nächsten zu schaden. Dieses aber dürfen und können wir nicht tun, wenn wir "unseren Nächsten lieben wie uns selbst". Wir dürfen nicht, wenn wir jedermann lieben wie uns selbst, irgend jemanden an seinem Vermögen schädigen. Wir dürfen nicht den Ertrag seiner Ländereien, vielleicht sogar die Ländereien und Häuser selbst an uns reißen durch Spielen, durch überhöhte Rechnungen (sei es für ärztliche Hilfe, Rechtsbeistand oder sonst etwas) oder dadurch, dass wir solche Zinsen fordern oder nehmen, wie sie sogar unsere Landesgesetze verbieten. Hierdurch ist das ganze Pfandleihwesen ausgeschlossen, da, wie alle unvoreingenommenen Menschen mit Bedauern erkennen, alles Gute, welches dadurch bewirkt werden könnte, durch den daraus entspringenden Schaden bei weitem überwogen wird. Und wäre es auch anders, so ist es uns doch nicht erlaubt, "Böses zu tun, damit das Gute kommt". Wir können nicht in Übereinstimmung mit brüderlicher Liebe unsere Ware unter dem Marktpreise verkaufen, wir können es nicht darauf anlegen, unseres Nächsten Gewerbe zugrunde zu richten, um unser eigenes zu fördern; viel weniger dürfen wir irgendeinen seiner Dienstboten oder Arbeiter, die er doch braucht, ihm abspenstig machen oder bei uns aufnehmen. Niemand kann das Vermögen seines Nächsten betrügerisch an sich ziehen, ohne sich die höllische Verdammnis zuzuziehen!

Auch dürfen wir keinen Gewinn erzielen, indem wir unseren Nächsten an seinem Leibe schädigen. Deshalb dürfen wir ihm nichts verkaufen, was seiner Gesundheit Eintrag tut. Dahin gehören vorzugsweise alle Arten jenes flüssigen Feuers, das man gemeinhin Schnaps nennt, oder geistige Getränke. Zugegeben, diese mögen in der Medizin anwendbar sein, sie mögen bei einigen körperlichen Störungen ihren Nutzen haben, obgleich es selten nötig sein würde, wenn der Arzt seine Kunst recht verstände. Daher mögen solche, welche Alkoholika bloß zu diesem Zweck zubereiten und verkaufen, ihr Gewissen rein erhalten. Wer aber sind diese? Wer bereitet sie bloß zu ärztlichen Zwecken? Wisset ihr zehn solche Brennereien in unserem Lande? Dann entschuldigt diese. Alle aber, welche es wie allgemein üblich an jeden verkaufen, der da kaufen will, sind allgemeine Vergifter. Sie morden die Untertanen Seiner Majestät im Großen und weder zu schonen, noch barmherzig zu sein, liegt in ihrem Blickfeld. Sie treiben ihre Mitmenschen in die Hölle wie Schafe. Und was ist ihr Gewinn? Ist es nicht das Blut dieser Menschen? Wer wollte sie daher um ihre großen Güter und prächtigen Paläste beneiden? Ein Fluch ruht darauf. Der Fluch Gottes haftet an deren Steinen, Balken und Möbeln! Der Fluch Gottes ist in ihren Gärten, in ihren Alleen und Lustwäldern; ein Feuer, das bis in die unterste Hölle brennt! Blut, Blut ist dort. Der Grund, der Fußboden, die Mauern, das Dach sind mit Blut befleckt! Und kannst du hoffen, du Blutmensch, wenngleich du dich "kleidest mit Purpur und kostbarer Leinwand und lebst alle Tage herrlich und in Freuden", kannst du hoffen, deine "Blutäcker" auf die dritte Generation zu vererben? Nimmermehr! Denn es ist ein Gott im Himmel: Darum wird dein Name bald ausgerottet werden. Wie diejenigen, welche du mit Leib und Seele zu Grunde gerichtet hast, "wird die Erinnerung an dich mit dir untergehen".

Und sind nicht auch sie im obigen Sinne mitschuldig, die mit dem Leben oder der Gesundheit der Menschen spielen, um ihren eigenen Gewinn zu vermehren (wenngleich der Grad der Mitschuld geringer sein mag), sie seien Wundärzte, Apotheker oder Ärzte, die den Schmerz oder die Krankheit, die sie schleunigst beseitigen könnten, absichtlich in die Länge ziehen; die die Heilung eines Kranken verzögern, um dessen Vermögen zu plündern? Kann jemand vor Gott frei dastehen, der nicht jedes Leibesübel, "so viel er kann", abkürzt und alle Krankheiten und Leiden, so bald er kann, beseitigt? Er kann es nicht; denn nichts ist klarer, als dass er "seinen Nächsten nicht liebt wie sich selbst"; als dass er "andern nicht tut, was er will, dass sie ihm tun sollen."

Dies ist teuer erkaufter Gewinn. Teuer erkauft ist auch das, was durch die Verletzung unseres Nächsten an seiner Persönlichkeit erzielt wird; angenommen durch offenes oder heimliches Anstiften zu Unkeuschheit oder Unmäßigkeit; das kann gewiss niemand tun, der irgendwelche Gottesfurcht oder irgendein wirkliches Verlangen hat, Gott zu gefallen. Alle die, welche irgend etwas mit Schank-, Speise-, Opern-, Schauspielhäusern oder mit anderen Orten öffentlicher Belustigung für die feine Welt zu schaffen haben, mögen das wohl bedenken. Ist dergleichen der Persönlichkeit des Menschen förderlich, so bist du frei, so ist dein Gewerbe gut und dein Gewinn unschuldig; sind sie aber entweder an sich selbst sündig oder ihrem Wesen nach Einfallstore zu mancherlei Sünden, dann steht zu befürchten, dass du eine schwere "Rechenschaft" abzulegen haben wirst. O hüte dich, dass nicht Gott an jenem Tag sagen wird: "Diese sind um ihrer Sünde willen gestorben; aber ihr Blut will ich von deiner Hand fordern."

Im Rahmen dieser Warnungen und Einschränkungen ist es die unerlässliche Pflicht aller, die in weltlicher Arbeit beschäftigt sind, dass sie jene erste und große Regel christlicher Weisheit bezüglich des Geldes einhalten: "Erwirb, so viel du kannst." Erwirb alles, was du durch ehrlichen Fleiß erwerben kannst. Wende in deinem Beruf allen möglichen Fleiß auf. Verliere keine Zeit! Wenn du dich selbst und dein Verhältnis zu Gott und Menschen verstehst, dann weißt du, dass du keine Zeit zu verlieren hast. Wenn du deinen eignen Berufs so verstehst, wie du solltest, so wirst du keine überflüssige Zeit haben. Jedes Geschäft wird genug Arbeit für jeden Tag und jede Stunde gewähren. Da, wo du hingestellt bist, wird dir für törichte, unnütze Zerstreuungen keine Muße bleiben, wenn du obiges ernst nimmst. Du hast immer etwas Besseres zu tun, etwas, das dir mehr oder weniger Nutzen bringen wird. Und "was immer deine Hand zu tun findet, tu es mit deiner Kraft." Tu es so bald wie möglich: Keine Verzögerung! Kein Aufschieben von Tag zu Tag oder Stunde zu Stunde! Nie lass etwas bis morgen liegen, was du heute tun kannst. Und mach es so gut wie möglich. Schlummere oder gähne nicht darüber, widme dem Werk deine ganze Kraft. Spare keine Mühe. Tu nichts halb oder nachlässig und oberflächlich. Lass in deinem Geschäft nichts unausgeführt, wenn es mit Anstrengung oder Geduld ausgeführt werden kann.

Erwirb, so viel du kannst, durch gesunden Menschenverstand, dadurch, dass du in deinem Geschäft allen Verstand gebrauchst, den Gott dir gegeben hat. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie wenige dies tun, wie Menschen im selben ausgefahrenen Gleis hinter ihren Vorfahren her kommen. Aber was immer sie tun, die Gott nicht kennen: für dich ist das nicht maßgebend. Es ist eine Schande für einen Christen, wenn er sie nicht in allem übertrifft, was er in die Hand nimmt. Du solltest laufend dazulernen, sei es aus der Erfahrung anderer oder aus deiner eigenen Erfahrung oder aus Lesen und Nachdenken, um alles, was du zu tun hast, heute besser zu machen als gestern. Und trage Sorge, dass du auch ausübst, was du lernst, damit du alles aufs beste ausnützest, was dir zur Verfügung steht.

Regel 2: Spar (ein), soviel du kannst.

Regel 3: Gib alles, was du kannst.

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