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Nächstenliebe - die grosse Chance

Quelle: Kirchenbote des Kt. Zürich, 17.04.2008

Nächstenliebe - da habt ihr ein Wahnsinnsprodukt

Peter Felber, Theologe, PR-Berater und Partner der Kommunikationsfirma

"Nächstenliebe - da habt ihr ein Wahnsinnsprodukt", sagte mir einmal ein Werbefachmann. "Vom Jugendlichen bis zum Greis bringen alle Nächstenliebe mit Kirche in Verbindung! Wieso macht ihr nicht mehr daraus?"

Machen wir das Spiel: Zuerst nähme man sich das veraltete Produkt vor. Das Wort Nächstenliebe ist abgegriffen. Es weckt keine Emotionen, ist nicht mehr Gegenstand heisser Debatten. Schärfen wir also zuerst den radikalen Kern der Nächstenliebe. Liebe deinen Nächsten, heisst es. Nicht: Liebe die Guten, Angepassten, die die dir ins Konzept passen. In der Nächstenliebe steckt die Auffassung, jeder Mensch sei unbedingt liebenswert - was immer er getan hat, wer auch immer er ist. Dahinter steht die Überzeugung, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt. Und darum gibt es auch für uns Menschen keinen Grund, jemandem die Liebe zu verweigern. Diese Überzeugung gäbe wirklich viel Diskussionsstoff ab in einer Gesellchaft, die immer mehr Menschen für überflüssig erklärt.

Weiter würde sich das Marketing dem Produktevertrieb zuwenden. Nicht die Kirche bringt Nächstenliebe unter die Leute. Wie bei jedem Dienstleistungsprodukt entsteht sie im Zusammenwirken zwischen Mitarbeitenden des Dienstleisters und den Kunden. Deshalb muss die Kirche in erster Linie ihre Mitglieder befähigen, Nächstenliebe unter die Menschen zu tragen. Man könnte eine Kampagne lancieren: "Nächstenliebe - jetzt!" Sie macht Menschen zu Botschaftern der Nächstenliebe. Diese besuchten Workshops zum Thema "Wie lebe ich Nächstenliebe im Alltag?. Die Kampagne gäbe Material mit Hilfen für die Praxis ab. Ein Tagebuch etwa, in dem tägliche Fortschritte notiert werden könnten.

Nächstenliebe ist übrigens keine weltfremde Sache. An der Universität Zürich wird Altruismus (selbstloses Handeln) sogar erforscht. Dabei zeigt sich, dass Altruismus und Egoismus komplementäre, sich ergänzende Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens darstellen. Das heisst: Nächstenliebe ist eine erfolgreiche Gesellschaftsstrategie - und kein Ladenhüter für rührselige Gemüter!

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