Hätten wir bloss mehr Einkommen ....
01.03.2009
Horst Reiser
„Hätten wir bloss mehr Einkommen oder könnten wir die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, dann wäre alles wieder ok!“, ist ein viel beobachteter und gängiger Gedanke bei uns Schweizern. Die meisten Menschen sehen im Geld die Lösung für das momentane Geldproblem.
Erstens löst Geld aber keine Geldprobleme. Unser Verhältnis zum Geld und wie wir damit umgehen, bringt unsere Einstellung zum Leben und somit unseren Charakter ans Licht. Also können nur tiefer liegende Überzeugungen echte Verhaltensveränderung auslösen und einen neuen Umgang mit Geld bewirken. Oder anders gesagt: Wenn die ganze Welt ihre Schulden reduzieren, ein Sparkonto äufnen und sogar nach Gottes Finanzprinzipien ihre Geld einsetzen würde, wäre unsere Daseinsbestimmung trotzdem verfehlt!
Jesus starb nicht am Kreuz, damit wir unser schönes Mittelstandsleben führen können. Unsere Lebensaufgabe ist, Gott zu verherrlichen! Er ist der Autor, der Schöpfer, der Eigentümer des ganzen Universums und verdient unseren grössten Einsatz, ihn in allem zu ehren. Wenn wir Gott ehren, ist unser Leben erfolgreich, nicht wenn wir nach Indonesien in die Ferien können oder einen neuen Mini als Zweitwagen fahren können. Das alles kann die Welt sehr gut ohne uns, ja sogar noch viel besser!
Es ist erstaunlich, wie viele sich weniger reich fühlen wegen den nur erwarteten oder bereits realisierten Verlusten. Christen sollten dies eigentlich nicht so empfinden, weil Gott uns erlaubt, ewige Segnungen und Schätze zu erhalten, indem wir über die treue Verwalterschaft hinaus geben und nicht indem wir horten.
Der reiche Jüngling in Markus 10,17-22 hatte sehr viel Vermögen und Geld. Er zog es vor, dies alles zu behalten, anstatt es aufzugeben und Jesus – dem Sohn Gottes – nachzufolgen. Ebenso hatte der reiche Bauer in Lukas 12,13-21 viele Güter. Dieser drückt sehr gut unseren Schweizer Durchschnittsbügertraum aus. Sein Lebensmotto bringt er selbst in seiner Aussage zum Ausdruck: „Du hast nun viele Güter für viele Jahre an Lager. Nimm’s leicht, iss, trink und freu dich des Lebens.“ Aber Jesus forderte ihn heraus, seine Prioritäten ganz neu zu definieren und nach einem höheren Zweck zu trachten und „reich gegenüber Gott“ zu sein.
Jesus forderte beide Männer heraus, der Falle zu entfliehen, ihr Leben bloss auf höheren Wohlstand und Reichtum auszurichten.
Zweitens sollten wir die Rezession und jegliche finanziellen Verluste aus der Perspektive der Ewigkeit betrachten. Hebrärer 13.5. sagt: „Dein Wandel soll ohne Geldgier sein; lasset euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt: ‚Ich will dich nicht verlassen noch versäumen’.“ Unsere Leben sollen die Zuversicht in Gott als Eigentümer und Herrscher widerspiegeln auch in Zeiten der Rezession, Arbeitslosigkeit, Reduktion des BVG-Kaptials oder irgendeines anderen, einschneidenden Umstandes. Gott ist treu, in wirtschaftlich guten und in wirtschaftlich schlechten Zeiten.
Wenn wir Gottes Umgang mit den Menschen betrachten, erkennen wir, dass gerade in Zeiten der Herausforderungen und Krisen der Glaube auf die Probe gestellt wird und sich wertvoller erweist als Gold und Silber, selbst wenn diese zu Höchstpreisen gehandelt werden.
Ich hoffe, Sie gehen aus Ihren Schulden heraus, leben einen genügsames Leben und bitten unseren treuen Gott täglich, dass er Sie gebrauchen möchte, wie es ihm gefällt, selbst wenn er Ihnen mitten in schwierigen Zeiten aufs Herz legt, grosszügig sein Eigentum zu teilen.
Wenn diese Krise einmal vorbei sein wird, wie alles im Leben einmal vorbei geht, ob Sie nun mehr oder weniger vom Schweizer Mittelstandstraum erreicht haben oder nicht, dann hoffe ich, dass Sie Ihr Leben auf das Ziel ausgerichtet haben, seinen Namen zu ehren und zu verherrlichen mit Ihrem ganzen Sein und Haben, sei dies viel oder wenig. Die letzte Beurteilung wird Gott auf dieser Grundlage machen und nicht aufgrund unseres Wohlstandes.