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6. Kongress christlicher Führungskräfte

Quelle: Hans-Joachim Hahn, 28.02.2009

Hans-Joachim Hahn, Annette Ohrmann

Vom 26.-28. Februar 2009 tagte der 6. Kongress christlicher Führungskräfte in Düsseldorf mit der neuen Rekordbeteiligung von 3.800 Teilnehmern.

Erwartungsgemäss beeinflusste die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise eine Reihe der Beiträge; jedoch wurde sie nicht nur als solche gedeutet, sondern vor allem als Werte- und Sinnkrise.

Gleich am ersten Vormittagsplenum beeindruckte die ehrliche Kriseneinschätzung, die der Weltmarktführer in Elektro-Schaltschränken und Vizepräsident Bundesverband der deutschen Industrie Friedhelm Loh im Interview mit Horst Marquard (Mitbegründer des Kongresses) gab.

(M): „Herr Loh, wie geht es Ihnen in dieser Krisenzeit?“
(L): „Um der Wahrheit Genüge zu tun; Es geht mir sehr schlecht. … Seit September 2008 erleben wir einen Gewinneinbruch von +25% auf -16%.Wir haben nicht nur eine Krise, sondern eine Weltkrise von einem Ausmaß, wie ich sie in meiner ganzen Berufstätigkeit noch nicht erlebt habe. Das Katastrophale daran ist, dass man nirgendwo hin ausweichen kann. Die Krise ist überall. Und wir wissen nicht, was noch kommt.“ - ... -
(M): „Was ist ihr Rezept für die nahe Zukunft?“
(L): „Das Lebensmotto meines Vaters war: Ora et Labora – bete und arbeite. Das „Ora“ daran ist jetzt noch bedeutsamer als je zuvor. Ich habe schon immer gebetet, aber jetzt tue ich es noch viel bewusster.“

In seinem Grusswort bezog auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers klar Stellung zur Bedeutung von Werten für die Zukunft und forderte eine Abkehr vom Materialismus und eine neue Diskussion des in der Vergangenheit fehl gedeuteten Begriffes der „Leitkultur“. Viele nützliche Fortbildungsangebote waren im Seminarteil zu finden -  von „Authentischer Leiterschaft“ und persönlicher Spiritualität bis zu „Wirtschaftlich wachsen in schwierigen Märkten“; praktische Anregungen für Führungsaufgaben, Generationenwechsel u. v. a.

Einen bemerkenswerten, weit über die Gegenwartskrise hinausweisenden Beitrag lieferte der Zukunftsreferent und Autor Erik Händeler, Experte der Kondratieff-Zyklus-Forschung: Sozialverhalten und seelische / körperliche Gesundheit seien die Bereiche der nächsten Wachstumsphase, des „Wohlstandes der Zukunft“. Wenn in der Informationsgesellschaft der Transfer von und der Umgang mit Wissen zum entscheidenden Faktor für wirtschaftlichen Vorsprung wird, dann wird der Mensch zum wichtigsten Gut. Seine Werte, Umgangsformen und Leistungsfähigkeit (Gesundheit) beeinflussen entscheidend den Unternehmensgewinn. Menschen müssen gut mit Menschen auskommen, sich versöhnen und einander unterstütz en, um effektiv mit Information und Wissen umgehen zu können. Hier schaffen christliche Werte einen bedeutenden Marktvorteil.

Angesichts der wachsenden Religiosität unter jungen Muslimen forderte die Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher eine Besinnung Europas auf seine christlichen Wurzeln. Die jungen Muslime sähen ihre Identität in erster Linie im Islam. Laut einer Studie glaubten 50% aller Muslime nicht, dass sich Demokratie und die Aussagen des Islam vereinbaren lassen. Der Islam suche in Europa keine Auseinandersetzung über Äußerlichkeiten, sondern er möchte eine weltanschauliche Debatte führen.
 
Zum Abschluss des Kongresses kam der Münchner Erzbischof Dr. Reinhard Marx zu Wort, Buchautor des Bestsellers "Das Kapital". Doch während sein Namensvetter Karl vor weit über 100 Jahren auf kollektive Planwirtschaft setzte, propagiert Reinhard heute eine globale soziale Marktwirtschaft, in der Eigentum verpflichtet. Marx stellte in klarer, sachlicher Argumentation und ansprechender Rhetorik den Einfluss der christlichen Werte auf die abendländische Geschichte und das Gelingen der deutschen Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg heraus: „Die Ressourcen der gegenwärtigen ethischen Krise kommen im Wesentlichen aus den christlichen Werten. … Wir brauchen ein neues Sendungsbewusstsein dafür in unser ganzes Land hinein!“ Die Christen seien die ersten gewesen, die die Schwachen und Kranken in ihre Mitte geholt hätten – dies war revolutionär. Ein Gott der sich leidenschaftlich dem Menschen zuwendet, den er als sein Ebenbild geschaffen hat und damit alle Menschen zu Brüdern macht, sei einmalig in der Religionsgeschichte. Dies habe die Antike fasziniert und angezogen. Um dieses Menschenbild sei es auch den Autoren der sozialen Marktwirtschaft gegangen, nicht bloß um Regeln und Strukturen.
 
Mit dieser Fülle an Themen, Angeboten und Perspektiven und der hohen Teilnehmerzahl gehörte der Kongress ohne Zweifel zu den wichtigsten Anlässen in Wirtschaft und Weiterbildung in unserem Land. Wer ihn nicht erlebt hat, hat etwas Bedeutendes versäumt.

Ausführlichere Dokumentationen sind im Kongressbüro www.christlicher-kongress.de erhältlich. Der nächste Kongress ist für Anfang 2011 in Nürnberg geplant.

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